Hôtel de la Croix Blanche bei der Scherzligbrücke

Restaurierter Wappenstein des ehemaligen Scherzligtors, Bild: Kantonale-Denkmalpflege, Bestand: Schlossmuseum Thun
Wappenstein Scherzligtor Thun – ausgestellt im Schlosshof Thun

Nach einem Brandfall wird das vom Kloster Interlaken als Sässhaus erworbene Gebäude im Jahre 1443 neu erstellt. Gleich daneben befand sich das Scherzligtor, welches in die Stadt führte. 1537 erneuerte die Stadt Thun das Scherzligtor vollständig. Die Stadt Bern stiftete ihrer Untertanenstadt dazu ein Wappenstein in Form eines Sandsteinreliefs. Es zeigt zwei Bernerwappen über dem Thunerwappen, was die Oberherrschaft Berns veranschaulicht. Über diesem prangt der Doppeladler des deutschen Reichs, dem Bern bis 1648 formell angehörte. 1851 wurde das Scherzligtor abgerissen. Beide Gebäude lehnten sich an die einstige Ringmauer der äusseren Aare (einst Stadtgraben) an.

1606 erhält das «Weisse Kreuz» mit der Erteilung des Tavernenrechts seine Nutzung als Wirts- und Gasthaus mit entsprechender Beschilderung. Jahrhundertelang waren das «Hotel zum Weissen Kreuz» oder während der Helvetik unter dem vornehmeren Namen bekannten «Hôtel de la Croix Blanche» zusammen mit dem Freienhof die einzigen Hotels in der Stadt Thun.

Am 7. September 1782 langte der spätere russische Kronprinz Paul Petrovitsch mit grossem Gefolge in Thun an. Er logierte im Gasthof «Hôtel de la Croix Blanche», welcher damals mit dem «Freienhof» rivalisierte. Am folgenden Morgen verreiste der Prinz (es ist der spätere, 1801 ermordete unglückliche Kaiser Paul) per Schiff nach Interlaken, von wo er einen Abstecher nach Grindelwald unternahm. Doch war sein Aufenthalt im Berner Oberland von kurzer Dauer. Schon am neunten Herbstmonat, abends spät, langte der Fürst wieder in Thun an, um am folgenden Morgen in der Frühe wieder zu verreisen.

Die neben dem Hotel gelegene Scherzligbrücke diente Postkutschen und Pferdeomnibusse um von und nach der Stadt zu fahren da sich die Haltestelle beim Postbureaux in der Freienhofgasse neben dem Freienhof befand. Auch Fuhrleute benutzten die 1350 erbaute, damals noch gedeckte Brücke. Das markante Eisengeländer bekam sie im Jahr 1863.

Nach der Verlegung des heutigen neuen Bahnhofs wurde die Scherzligbrücke für den aufkommenden Verkehr zu schmal und zu schwach. Im Winter 1922/23 wurde sie zusammen mit dem «Hotel Weissen Kreuz» abgebrochen und verlor damit auch ihren ursprünglichen Namen. Am Sonntag, 1. Juli 1923, wurde die neue Bahnhofbrücke festlich eingeweiht. Beim Abbruch des «Kreuzes» kamen an der Aare Fundamente eines alten Festungsturmes und die Fundamente der Stadtmauer zum Vorschein. Bis ganz zuletzt bot das «Weisse Kreuz» noch 17 armen, obdachlosen Familien eine Notunterkunft.

Anfang der dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts, nach Fertigstellung der Bahnhofbrücke, entstand an der Stelle des ehemaligen Hotels das fünfgeschossige Geschäftshaus der Spar + Leihkasse (SLT) Thun wo auch die Buchhandlung Krebser vom ehemaligen Standort, am Rathausplatz hinzog.

Am 3. Oktober 1991 gab die Regionalbank bekannt, sie stecke in «vorübergehenden Engpässen». Die Lokalzeitung «Thuner Tagblatt» sprach Klartext und verkündete in fetten, roten Lettern: «Die Spar- und Leihkasse Thun kämpft ums Überleben». Sofort stürmten viele Kleinsparer und Gewerbler zur Bank, um ihr Ersparnisse zu retten. Zu spät: die Schalter waren bereits geschlossen und die Gelder gesperrt. Vor den verschlossenen Türen drängte sich die wütende Menge. Ein Mann ertrug die Aufregung nicht und erlag in der Nähe einer SLT-Bankfiliale einem Herzinfarkt.

Nach einigen Tagen konnten die Kunden je 500 Franken abheben. Vor den Filialen standen die Menschen stundenlang Schlange. Der Crash der Spar- und Leihkasse Thun vernichtete über 220 Millionen Franken Privat- und Geschäftsvermögen. Die rund 6300 Kunden mussten Monate, ja gar Jahre auf Auszahlungen warten und verloren mehr als einen Drittel ihres Vermögens.

Quellen:  TT 26.05.1988,  TT 12.12.1986 Hans-Ueli Graf,  TT 19.04.1988 Alfred Wenger, TT 23.11.1982 Alfred Wenger, Der Bund, 30.09.2016, Der Bund, 11.02.2009, Diverse

Standort

2 Gedanken zu „Hôtel de la Croix Blanche bei der Scherzligbrücke

  • 17. Januar 2020 um 15:53
    Permalink

    Bild 13 zeigt wohl nicht den Abriss der Scherzligbrücke, sondern den Einbau des Belags auf der neuen Bahnhofbrücke (Strassenwalze!)

    Antwort
    • 18. Januar 2020 um 8:57
      Permalink

      Danke für den Hinweis. Wir werden das korrigieren.

      Antwort

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