Bälliz oberes – Oberbälliz

Nachdem ab 1714 die Kander direkt in den Thunersee abgeleitet worden war, mussten in Thun Massnahmen für bessere Abflussverhältnisse der Aare geschaffen werden. So entstand aus dem mittelalterlichen Wehrgraben die Äussere Aare, und das Bälliz wurde zur Insel. Der Name Bälliz soll übrigens  ursprünglich aus einer galloromanische Ortsbezeichnug stammen: Bellitio hiess so viel wie Pappelwald.

Das Oberbälliz beginnt bei der Freienhofgasse und endet im Bereich der Postbrücke. Der Gasthof zum Weissen Kreuz (das heutige Krebserhaus), das Waisenhaus sowie die alte Kaserne resp. die Gebäude der Kantonalbank und der Hauptpost, die auch Teil des Oberbälliz sind, werden in eigenen Galerien ausführlich vorgestellt.

Am Anfang des Unterbälliz steht eines der ältesten Gebäude von Thun. Das ehemalige Sässhaus (Stammhaus) derer von Amsoldingen wurde 1409 neu erbaut und war ab 1798 die Wirtschaft «Zu den Drei Eidgenossen». Seit dem Jahr 1920 werden in diesem Haus Schuhe verkauft.

Bereits seit 1919 existierte im Restaurant Steinbock ein sogenanntes Lichtspieltheater. Ab 1921 wurde das «Volkskino Steinbock» im Volksmund «Revolverküche» genannt, da dort vor allem italienische Westernfilme «Spaghettiwestern» gezeigt wurden. 1919 folgte mit dem Grand Cinema Falken ein weiteres Innenstadtkino. Später wurde das Kino in «Kino Apollo» umbenannt und 1975 geschlossen.

Streit's Selbstbedienungsladen 1953

Einzelhändler in der Schweiz fühlten sich in den 30-er Jahren zunehmend von den neu aufkommenden, meist von jüdischen Familien geführten, Warenhäusern bedroht. Beflügelt vom damaligen Antisemitismus erwirkten sie auf Bundesebene einen dringlichen Beschluss, der Warenhaus-Eröffnungen und weitere Filialen verbot, das sogenannte Filialverbot. Das hatte allerdings zur Folge, dass auch Migros und Coop keine weiteren Filialen mehr eröffnen, oder die bestehenden erweitern durften. So lancierte die Migros 1937 einen eigenen «Giro-Dienst» und beliefert selbständige Spezereihändler mit Migros-Produkten, die aber in der Gestaltung des Sortiments und beim Einkauf frei blieben. Dutzende Läden schlossen sich diesem Partnerprogramm an, so auch der Kolonialwarenladen G. Streit im Bälliz 65 (Später, Modehaus Frey, heute Coop). Im November 1949 eröffnet die Firma Streit, welche auch eine Filiale im Unterbälliz besass, in ihrem Geschäftslokal den ersten Selbstbedienungsladen im Berner Oberland (Bild links).

Der Simmenthalerhof befand sich seit 1899 im Besitz der Familie Wüthrich. Er hiess früher Café Fédéral und wurde um 1880 erbaut. Das Café Fédéral war hauptsächlich eine Soldatenwirtschaft. Das war nicht weiter verwunderlich, da sich auf der anderen Strassenseite die ehemalige Kaserne befand.  Im Jahr 1899 kaufte Fritz Wüthrich-Bärtschi, der vorher eine Metzgerei an der Hauptgasse geführt hatte, das Fédéral und gab ihm den Namen «Simmenthalerhof». 1928 wurde das alte Gebäude durch einen Neubau mit einer aufs beste eingerichteten Grossmetzgerei erweitert. 1950 wurde der Simmenthalerhof erneut erneuert und erweitert. Zahlreiche Figuren, wie der Fulehung zieren ab da die Fensterbogen an der Längsfront.

Quellen: Der Bund 25.03.1950, WOZ 12.02.2004, OT 30.11.1949, Die Geschichte der jüdischen Warenhäusern in der Schweiz SRF 02.12.2021, OT 30.05.1953, Diverse

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