Sternenplatz

Der Sternenplatz war über Jahrzehnten ein wichtiger Hotspot für Thun. Auf dem Platz befanden sich mehrere Restaurants sowie ein Hotel. Gegen Steffisburg führte die belebte Marktgasse, in Richtung Schwäbis die Schwäbisgasse, über die Kuhbrücke gelangte man ins Bälliz und via Gerberngasse auf den Rathausplatz. 1896 begann die Stadt Thun mit der Montage von 41 elektrischen Bogenlampen, eine davon auf dem Sternenplatz. Auf dem Platz befanden sich ausserdem eine markante Liftfasssäule, ein prächtiger Brunnen, sowie ein von der Bierbrauerei Feller gespendetes Pissoir.

Der «Sternen»

Der traditionsreiche, im spätbarocke Bau gestaltete Gasthof „Sternen“ gab dem Sternenplatz seinen Namen. Die Spieler des 1898 gegründeten FC Thun, die damals noch beim nahegelegenen Grabenplatz trainierten, hatten dort ihre Stammbeiz. Nach einem Dachstockbrand 1913 wurde der Bau um ein Stockwerk erhöht. 1969 wurde der „Sternen“ zusammen mit der gesamten Häuserzeile an der Schwäbisgasse  inkl. Brauerei abgebrochen um dem zukünftigen Coop City Platz zu machen.

Der «Kleine Löwen»

Der «Kleine Löwen» (nicht zu verwechseln mit dem «Goldenen Löwen» an der alten Bahnhofstrasse) hatte einen interessanten Grundbucheintrag: «Wohnhaus mit Wirtschaft und Bäckerei im Plainpied» («de plain-pied» = auf gleichem Boden). Der «Kleine Löwen» war demnach amtlich verpflichtet, neben der Wirtschaft auch eine Bäckerei zu betreiben.

Der «Kleine Löwen» orientierte sich architektonsich nicht zur Marktgasse, sondern Richtung Südwesten, gegen die Schwäbisgasse. Er stand, wie auch das heutige Gebäude (Mc Arthurs Pub), vom Strassenraum zurückversetzt. Nicht seine Dimension oder seine Architektur selbst, sondern vielmehr seine Stellung zum Platz beim Viehmarkt und insbesondere der vorgelagerte freie Raum bewirkten, dass das Haus ein Blickfang war und jedermann auffallen musste.

Ein weiteres Opfer des wirtschaftlichen Druckes wurde auch für den «Kleinen Löwen» der zunehmende wirtschaftliche Druck zum Schicksal. Nachdem bereits das Pissoir den Verkehrsbedürfnissen zum Opfer fiel und auch der schöne Brunnen verlegt wurde, liess die Besitzerin, die Immobiliengesellschaft Löwen AG, das Gebäude im Jahre 1969 abbrechen.

Hotel Bären / Hotel de l’ours

1608 erhielt Seckelmeister Hans Murri, der 1612 den Thuner Schulen ein Kapital von 200 Pfund schenkte, von Schultheiss, Rat und Burgern in Bern die Erlaubnis, eine Wirtschaft aufzutun und einen Bären herauszuhängen. Der 1700 neu aufgebaute «Bären» ist einer der ältesten Gasthöfe neben dem Freienhof und dem Weissen Kreuz und war über jahrhunderte bei Säumern und Fuhrleuten beliebt. Sogar Goethe war wohl dort abgestiegen. Die allerdings eher aus der Landwirtschaft stammenden Gäste des «Bären» deponierten ihre Pferde in der Bärenscheune beim vis-à-vis gelegene Waaghaus. Besonders frequentiert war das Haus naturgemäss an den Markttagen, da das Grossvieh in der Marktgasse aufgestellt wurde. Bei Hochwasser floss ein Teil der Aare beim Schlachthaus auf den Rathausplatz und durch die damals tiefer liegende Gerberngasse und Schwäbisgasse zum Schwäbistor hinaus. So drang das Wasser oft in die Gaststube und legte den Betrieb lahm. 1728 wurde der «Bären» daher von der Stadt Thun gekauft. Die Gaststätte wurde an tüchtige Wirte, meist Burger verpachtet. Ihre Namen lassen sich aus den Ratsmanualen, den Chorgerichtsprotokollen und Bussenverzeichnissen zusammenstellen. Denn die Ehrbarkeit gab genau auf das Überwirten, die Beherbergung zweifelhafter Dirnen, den Ausschank verbotener Getränke Acht. Hie und da gab es auch schlimme Reden oder Schlägereien, so 1783, die zu gerichtlichen Verhandlungen oben im Schloss führten.
Von 1947-1968 führte die «Trinkervorsorge» unter dem Frauenverein Thun führte im 1. Stock des «Bären» ein alkoholfreies Restaurant. Im Untergeschoss betrieb der Besitzer Walter Thomi ein Modegeschäft. Am 13. Oktober 1968 wurde der Gastronomiebetrieb für immer geschlossen. Das alte Wirtshausschild an der Fassade hängt aber immer noch dort.

Quellen: TT, 25.08.1987 Hansueli Graf, Chronologische Angaben, Broschüre 150 Jahre Gaswerk Thun, Mein liebes Thun von Markus Krebser, TT 11.10. 1968, Diverse.

Abriss Sternen und Brauerei Thun 1969 – Amateurfilm von Heiri Egger

 

Standort Sternenplatz

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