Alter Bahnhof Thun

Alter Bahnhof und alte Bahnhofstrasse Thun 1859-1923

Der alte Bahnhof Thun hatte eine bewegte Geschichte. Nachdem die Schweizerische Centralbahn (SCB heute SBB) bereits 1852 vom Berner Regierungsrat die Konzession für den Bau einer Verbindung zwischen Bern und Thun erhalten hatte, entwickelten sich Meinungsverschiedenheiten zwischen der SCB und der Stadt Thun über den neuen Standort des Bahnhof Thun.

Die SCB wollte, um den Bau und die Kosten einer Aarebrücke zu sparen, den Bahnhof im Gebiet Bleichematte (heutiger Standort) auf dem linken Aareufer zu erstellen, um eine spätere Verlängerung zum Seeufer (den heutigen Schiffskanal) problemlos bauen zu können. Die Stadt Thun jedoch favorisierte den Standort beim Berntor am rechten Aareufer, um danach die potentiellen Touristen durch die Strassen zur Schifflände Thun-Hofstetten zu leiten. 1857 nahm die Stadt von den Plänen eines Bahnhofs beim Berntor Abstand und schlug einen Kompromiss vor. Sie zeigte sich einverstanden, den Bahnhof auf der linken Seite der Aare zu bauen, jedoch sollte er möglichst nahe an der Allmendbrücke zu stehen kommen.

Fahrplan von 1900 (Vergrössern durch anklicken)

Im Jahr 1859 wurde der erste Bahnhofs Thun, bei der heutigen Gewerbestrasse eröffnet. Im ersten Halbjahr werden bereits 45000 Passagiere transportiert. Eine Fahrt von Thun nach Bern dauerte damals mit dem Schnellzug 41 Minuten. Oben in der Mitte der Bahnhof-Fassade prangte ein Flügelrad, das damalige Logo der Schweizerischen Centralbahn.

Kutscher mit Ein- und Zweispännern, die damaligen Taxis, warteten vor dem Bahnhof, bei der Schiffstation Hofstetten und zeitweise auch beim Postgebäude im Oberbälliz auf Passagiere. Die Fahrt hatte auf kürzestem Weg zu erfolgen und es war den Kutschern streng untersagt, der potentiellen Kundschaft aufdringlich ihre Dienste anzubieten oder Trinkgelder zu verlangen. Wenn sich ein Kutscher unanständig benahm, betrunken war oder seine Pferde misshandelte, verlor er die Bewilligung, ebenso wenn sich die Kutsche in einem schlechten Zustand befand. Am 10. Oktober 1913 wurde die Strassenbahn in Betrieb genommen. Eine Tramlinie fuhr vom Bahnhof aus nach Steffisburg, eine andere via Bälliz Richung rechtes Thunerseeufer.

Die damalige baumbestandene Bahnhofstrasse (heute Gewerbestrasse) zur Stadt war durch die vornehmen Hotels Schweizerhof und Goldener Löwen wo sich das erste permanente Kino in Thun befand (heute Kino Rex), die damalige Käsefabrik Gerber und die Kantonalbank (Später Café Du Pont heute Restaurant La Barca) gesäumt.

Mit der Eröffnung der Strecke Thun-Scherzligen im Jahre 1861 wurde aus der Endstation ein Durchgangsbahnhof. Nach der Eröffnung der Thunerseebahn Thun-Scherzligen-Interlaken, der Einführung der Linien Burgdorf-Thun und Bem-Gürbetal-Thun um die Jahrhundertwende werden Projekte für die Erweiterung des Bahnhofes ausgearbeitet und Verhandlungen über eine Verlegung geführt. Schliesslich einigt man sich auf einen neuen Gemeinschaftsbahnhof Thun/Scherzligen zwischen Aarefeld und Seefeld. Mit der Eröffnung dieses neuen Bahnhofs 1923 werden der alte Bahnhof sowie der Bahnhof Scherzligen überflüssig und auch die umliegenden Hotels verschwanden.

Quellen: Dokumentation Kasimir Lohner, Thuner Stadtgeschichte, Diverse

Ehemaliger Standort Bahnhof Thun:

 

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