Hotel Baumgarten Victoria
Die Familie Rüfenacht, die bereits im Freienhof wirtete, gehörte zu den Hotelpionieren in Thun, Sie sicherte sich schon 1835 eine Wirtschaftsbewilligung für die Pension Baumgarten zu. Diese Sommerunterkunft bestand aus zwei Häusern und befand sich oberhalb des Lauitors. Wie das Bellevue lag also auch die Pension Baumgarten an der sonnigen geschützten Seite des Aarebeckens oberhalb Hofstetten und bot den Gästen eine herrliche Rundumsicht.
1868 baute man die Pension in ein Hotel mit beheizbaren Räumen um und erweiterte sie mit einem grossen englischen Park mit seltenen Bäumen. Dieses neue grosse Etablissement verkauften die Rüfenachts 1878 an Friedrich Gottlieb Knechtenhofer. 1885 verkauften Knechtenhofers das Hotel an Johann Heinrich Beilick. Vor dem Hotel befand sich eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Dépendance mit der Inschrift über der Türe: INVENI PORTUM SPES ET FORTUNA VALETE, was frei übersetzt in etwa hiess: „Ich habe den Hafen gefunden. Hoffnung und Glück, lebt wohl!“. Diese lateinische Redewendung drückt die Erleichterung aus, ein Ziel erreicht und damit die Unsicherheiten von Hoffnung und Schicksal/Glück hinter sich gelassen zu haben.
Aufgrund der grossen touristischen Nachfrage wurden 1886 verschiedene An-, Um- und Neubauten vorgenommen. Die Dépendance wurde durch ein neues und grösseres Gebäude ersetzt und die Gesamtanlage erhielt den Namen «Victoria & Baumgarten». Als der Besitzer Beilick 1903 starb führte seine Wittwe die Pension weiter. 1908 ging das Hotel an Frau Blatter-Urfer über.
Nach einer Gesamtsanierung wurde der helle, geräumige Speisesaal vergrössert, Prachtvolle Leuchter sowie Wand- und Plafond-Dekorationen schmückten den Saal mit etagenhohen Fenstern. Zudem gab es einen elektrischen Aufzug, ein Schreibzimmer, ein Damenzimmer und ein Fumoir. Die modernen Zimmer und Appartements waren durch Treppen und einen Lift zugänglich.

Im Juli 1912 gelangte die Besitzung durch eine Konkurssteigerung an die Herren Arnold Hofer, Dr. med. Weber und Karl Seegers über. Nach einer vollständigen Renovation warteten die Hotels mit vorzüglichen Badeeinrichtungen auf. Dank dieser Heilanstalt konnte sich Thun noch einmal als Fremdenort für Erholungsbdeürftige und Kranke etablieren.
Wie in vielen anderen Häusern wurden im Viktoria Baumgarten während des Ersten Weltkrieges ebenfalls Offiziere einquartiert. In der Zwischenzeit konnte das Baumgarten unter Direktor Burkhalter wieder gute Saisons mit berühmten Gästen verzeichnen. Auch der Kurhausbetrieb unter ärztlicher Leitung wurde fortgeführt. Doch der Zweite Weltkrieg setzte dem ruhig gelegenen Familienhotel unwiederruflich ein Ende. Der Hotelbetrieb wurde aufgehoben und die Gemeinde errichtete in den beiden Gebäuden noch während des Krieges Notwohnungen für ärmere und kinderreiche Familien. So teilten sich bis zu 31 Familien die Zimmer der ehemaligen Hotels. Pro Etage gab es eine gemeinsame Toilette und pro Familie eine Kochnische.
1958 wurde das untere Hotel Viktoria abgebrochen. Das Hauptgebäude steht allerdings noch heute im Baumgarten 10 allerdings ohne die ehemalige Parkanlage und ohne die vielen Bäume.
Quellen: «Gastort Thun», Zytglogge Verlag.; Stadtarchiv Thun, SAT 4/2 S. 59; «Mein Liebes Thun» von Markus Krebser; Historisches Museum Bern; Diverse



























