Aarefeldschulhaus

Lärm und Gestank sowie beschränkte Raumverhältissen im ehemaligen Platzschulhaus auf dem Rathausplatz zwangen den Gemeinderat in den 1870-Jahren zum handeln. So wurde 1876/77 nach Entwürfen des Thuner Architekten Josef Merz das Aarefeldschulhaus erbaut und bot Raum für 9 Primarklassen für je 50-60 Schülerinnen und Schülern. Durch seine symmetrische Anlage, die Eckquaderungen, hohe schmale Fenster und einen tempelartigen Dreieckgiebel, stellte das Schulhaus in Thun ein Statussymbol für das Bildungswesen dar. Es stand vis-à-vis der Velomatte, auf der dann 1923 der neue Bahnhof gebaut wurde. Auf einmal stand das vorher ruhig gelegene Schulhaus direkt neben dem neuen Bahnhofsplatz inmitten des Touristen- und Pendlerstroms.

Die ehemalige Aarefeld-Turnhalle, in welcher nicht nur geturnt worden ist, sondern die bis 1918 auch zur Abhaltung der Gemeindeversammlungen diente, wurde zur Zeit des Bahnhof-Neubaus 1923 demontiert und auf der Ittenmatte neben dem Progymnasium neu aufgestellt. Im November 1917 wurde in der Aarefeld-Turnhalle eine Volksküche, also eine öffentliche Essensausgabe für Bedürftige, installiert. Hierfür wurde die Turnhalle in eine Speisehalle umgewandelt und nebenan eine Küche eingebaut. «Die Lebensmittelkommission hat den Preis für einzelne Mittagessen, bestehend aus Suppe, Fleisch und Gemüse, auf Fr. 1.– festgesetzt». Ohne Fleisch kostete ein Essen 50 Rappen, für die Suppe allein zahlte man 20 Rappen. Das Essen konnte auch abgeholt und zu Hause eingenommen werden. Die nötigen Speisemarken konnten in der Speisehalle oder im Lebensmittelbüro gegen Vorzeigen der Ausweiskarte für Lebensmittel bezogen werden. Jahrzehntelang waren im Keller dieser Turnhalle auch die Rollen des Wocherpanoramas eingelagert, welches 1961 im Schadaupark seinen endgültigen Platz bekam. Heute steht ungefähr an ihrer Stelle das Geschäftshaus der Firma Adolf Schaer.

1991 stimmten die Thunerinnen und Thuner dem Überbauungsplan Aarefeld zu. Das Schulhaus wurde im August 1996 geschlossen und 1999 abgebrochen um der Errichtung des Aarefeldplatzes sowie Geschäften (Manor) und Wohnungen Platz zu machen. Heute erinnert nur noch der ehemalige Schulhausbrunnen, der jetzt auf der rechten Seite am Anfang des Bälliz steht, an das ehemalige Aarefeldschulhaus.

Quellen: TT 16.11.1917, OT, 21.04.1961, Thuner Stadtgeschichte, Diverse

 

ehemaliger Standort:

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