Schloss Schadau & Schadaupark

Das Schloss Schadau befindet sich am Ausfluss der Aare aus dem Thunersee. Ursprünglich stand hier ein Landgut mit einem schlossähnlichen Wohngebäude. Dieses Gut mit dem damaligen Dorf Scherzligen bei der Scherzligkirche, der Aare bis zum Rosenau und dem Seefeld gehörte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts den Herren von Strättligen. Nach verschiedenen Besitzerwechseln kaufte 1837 schliesslich Denis Abraham Alfred de Rougemont-de Pourtalès das Gut. Sein Bruder Rodolphe-Emile-Adolphe kaufte 1831 die «Chartreuse» auf der anderen Aareseite, gegenüber der Schadau.

Der unermessliche Reichtum der Familie Rougemont und Pourtalès stammte aus einem grossen Teil aus der passiven und aktiven Beteiligung am Sklavenhandel. Sein Vater, der Bankier Denis de Rougemont gründete 1786 zusammen mit Hans Conrad Hottinger die Bank „Rougemont, Hottinger & Cie.“. Sie beteiligte sich finanziell an Überseehandelsunternehmungen in den Sklavenexpeditionshäfen Le Havre, Nantes, Marseille und Genua. 1) Der Grossvater seiner Frau Sophie, der Neuenburger Jacques-Louis Pourtalès (1722-1814), wurde auch «Roi des négociants» genannt und galt als der reichsten Schweizer der damaligen Zeit. Er besass mehrere Kaffee- und Zuckerrohrplantagen auf der Karibikinsel Grenada in denen hunderte von Sklavinnen und Sklaven arbeiteten. Geheiratet wurde damals nur im gleichen Adelsstand und so ging das Vermögen jeweils an die nächste Generation über und wurde gleichzeitig kumuliert.

Von 1846 bis 1852 baute Rougemont das Schloss in historisierenden Misch-Stil, von der Tudor-Gotik und Loire-Schlösser-inspiriert, komplett um. Die alte Parkanlage wurde zu einem Englischen Garten mit seltenem Baumbestand umgestaltet. Es ist offensichtlich, dass Rougemont eine freie Sicht vom Schloss auf die Scherzligkirche wünschte. So wurden diverse Häuser rund rund um die Kirche auseinandergenommen und anderswo wieder komplett aufgebaut.  2) Während der Bauarbeiten wurde das Gelände beim Hausfundament um rund einen Meter aufgeschüttet, um eine bessere Seesicht zu bekommen.

1868 erbte sein Sohn Johann Friedrich Albert das Gut und liess es erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machen. Jeweils Sonntags war der Park für die Thuner Bevölkerung geöffnet. Nach seinem Tod erbte sein Sohn Alfred Denis Louis im Jahr 1899 das Anwesen. Der 1885 geborene Baron Louis verliebte sich in in seinen jungen Jahren in eine Bedienstete, die mit 15 Jahren als Waise ins Haus kam. Die Liebschaft entsprach nicht dem Stand des Barons und wurde von seiner Mutter verboten. Aus Liebeskummer nahm sich der erst 23-jährige als “letzter Rougemont” im Jahr 1908 in den Schlossmauern das Leben. 3)

1925 ging das Schloss und der weitläufige Park in den Besitz der Stadt Thun über. Im ersten Stock befand sich von 1934 – 1961 das Kriegsmuseum, welches ab 1950 Armeemuseum hiess. Auf der seeseitigen Terrasse wurde unter dem Patronat der Frauenvereine Thun und Strättligen ein «gemeinnütziges» alkoholfreies Restaurant geführt. Sehr zum Ärgernis für die Herren, die beim Besuch des Kriegsmseums  auf Bier und Wein verzichten mussten. Das Kriegsmuseum stellte im Schadaupark diverse ausgediente Armeeflugzeuge aus. Diese wurden allerdings von den spielenden Kindern in kurzer Zeit derart beschädigt, dass das Museum 1945 den Gemeinderat um eine Bewilligung ersuchte, anstelle der Flugzeuge einen Panzer in den Park stellen zu dürfen.

In den 50er Jahren beantragte die Stadt Thun beim Berner Heimatschutz ein Gutachten, um die weitere Nutzung des Schlosses abzuklären. In einem Schreiben vom 24. April 1954 stufte dieser das Schloss als nicht schützenswert und “entartet” ein. Ein zweites, von den Stadtbehörden im gleichen Jahr in Auftrag gegebenes Gutachten bei der Eidgenössischen Denkmalpflege, entkräftete dann das erste Gutachten und so liess man das Schloss stehen. Andernfalls hätte man damals das gesamte Schloss Schadau abgebrochen und an seiner Stelle wohl Genossenschaftswohnungen aufgestellt.

1961 wurde das Wocherpanorama westlich vom Schloss mit neuer Wegführung durch das Schadauwäldchen eröffnet. So fand das Panorama endlich ein Zuhause, war es doch vorher jahrzehntelang in einem Keller der Aarefeldturnhalle eingelagert. Im Bereich des heutigen Seeparks stand die 1920 erbaute Selve-Villa. Else von Selve, die Besitzerin der Schweizerischen Metallwerke Selve, wohnte dort alleine mit ihrer Hausangestellte bis zu ihrem Tod im Jahr 1971.

Das Schloss Schadau wurde, nach diversen Mischnutzungen, von 2017 – 2019 zum ganzheitlichen Restaurant- und Hotelbetrieb umgebaut.

34 Seitige Dokumentation «Die Schadau im Laufe der Zeit» von Moeri&Partner, Bern

 

Schweizer Film Wochenschau,
Wiedereröffnung Armeemuseum Schloss Schadau Thun von 1950

 

Standort

Quellen: 1) https://www.cooperaxion.ch/details.php?id=216 und https://www.cooperaxion.ch/details.php?id=217
2) https://www.cooperaxion.ch/details.php?id=193 https://www.nzz.ch/neuenburgs-schwarze-seite-1.17485667
3) Quelle: Thuner Tagblatt, Interviewer Thomas Kobel, Erstellt: 28.01.2009 und https://www.rougemont-thun.ch/de-rougemont/hintergrund-1
Strättligen von Louis Hänni, Seite 299-303, Diverse

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