Spital Thun
Die Wurzeln des Spitals Thun reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert. Im Mittelalter existierten zunächst zwei Spitäler: Das zwischen 1348 und 1350 errichtete «Untere Spital» am Rathausplatz sowie das 1431 von Imer von Zeiningen gestiftete «Obere Spital» (Zeininger-Spital) beim alten Zeitglockenturm. Im Mittelalter war ein Spital (vom lateinischen hospitium für „Gastfreundschaft“) weit mehr als nur ein Ort für Kranke. Spitäler fungierten oft als Auffangbecken für Gesellschaftsschichten wie Pflegebdürftige, Waisen oder Bettler.
Im Jahr 1493 wurden die beiden Spitäler am heutigen Rathausplatz 3 zusammengelegt. Während das Gebäude des Oberen Spitals 1807 mitsamt dem Zeitglockenturm abgerissen wurde, konnte dessen historischer Wappenstein gerettet werden. 1926 wurde im Keller des ehemaligen Unteren Spitals der Stein wiederentdeckt und im Eingangsbereich, gleich hinter der grossen Eingangstüre angebracht. Dabei unterlief jedoch ein Fehler: Die zugehörige Info-Plakette bezeichnet ihn fälschlicherweise als Wappenstein des Unteren Spitals – tatsächlich stammt er jedoch vom 1807 abgerissenen Oberen Spital.
Das ausserhalb der Stadt an der Landstrasse nach Bern gelegene Siechenhaus (13. Jh., 1518 Neubau) mit einer Jakobskapelle von 1444 ist 1335/40 erstmals belegt. Im Spätmittelalter wurden in einem Gebäude einst Aussätzige, vor allem Leprakranke, beherbergt. Um die Ansteckungsgefahr zu bannen, lag das Areal weit ausserhalb der Stadt. Neben der Unterstützung durch Stadt und Gemeinden erhielten Siechenhäuser auch Mittel aus Stiftungen und Vergabungen, Pfründen genannt. An seiner Stelle kam 1770 das Waisenhaus zu stehen, das 1806-1930 als Burgerspital diente und seit 1931 als Burgerheim genutzt wird.
1855 richtete der Thuner Stadtpfarrer August Hopf die erste Notfallstube ein. 1866 kauft er auf eigene Rechnung hinter der Burg Land für den Bau eines zeitgemässen Thuner Spitals. 1872–73 wird das Vorhaben mit Spenden realisiert. Das Spital Thun war geboren. 1873 wurde das Bezirks-Krankenhaus Thun mit 24 Betten eröffnet. 1899 folgte im oberen Stock ein Operationsraum.
1895 ersetzte der Anschluss an die «städtische Kloake», also ans Abwassersystem, die vormalige Güllegrube. Im selben Jahr erhielt das Spital elektrische Glocken an den Krankenbetten und einen Telefonanschluss – diesen allerdings erst im zweiten Anlauf, nachdem die Ärzte sich zwei Jahre zuvor noch dagegen gestellt hatten. 1897 wurde der erste Röntgenapparat installiert, während ein Teil des Spitals immerhin noch mit Gas beleuchtet wurde. Zum Krankenhaus gehörten diverse Nebengebäude (erbaut zwischen ca. 1880 und 1920). Dazu gehörten eine Gärtnerei, ein Bienenhaus, ein Waschhaus, sowie die flach gedeckte Leichenhalle.
1902 kam unmittelbar hinter das Spital Thun das sogenannte «Absonderungshaus» dazu. Eine Quarantäne für bis zu 17 Patientinnen und Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie: Nervenfieber, Diptherie, Pocken, Cholera und Pest. Der Name war immer umstritten. So steht etwa im Jahresbericht von 1925: «An die historische Bezeichnung ‘Siechenhaus’ oder ‘Blaternhütte’ wird heute kaum jemand denken, der das Gebäude besichtigt hat. Auch der Name ‘Absonderungshaus’ dürfte nicht mehr ganz zutreffen. Es wäre vielleicht für dieses Gebäude einfach die Bezeichnung ‘Ostbau’ zu empfehlen».
1914 entstand ein erster grosser Erweiterungsbau mit dem markanten Turmtreppenhaus und dem Ostflügel. Die Bettenzahl wurde so verdreifacht und das alte Gebäude wurde nun zum Westflügel des Gesamtkomplexes. Im Park vor dem Haupteingang stand ein Holzpavillon. 1948 wurde oberhalb des Spitals in der Lauenen, die damalige Schwesternschule sowie das Schwesternhaus eröffnet (heute BZ Pflege). 1965 konnte das hinter dem bestehende Spital bestehende neunstöckige Bettenhaus bezogen werden. Das alte Spitalgebäude mit dem charakteristischen Uhrturm wurde im Herbst 1983 abgerissen.
1987 wurde der Neubau des Spital in Betrieb genommen und als letztes grosses Bauprojekt 2012 das Notfallzentrum eröffnet.
Quellen: Der Bund, 25.11.1973; Geschäftsblatt, 05.05.1926; Berner Zeitung, 11.04.2019; Thuner Stadtgeschichten; Broschüre STS Geschichte Spital Thun; Historische Lexikon der Schweiz von Peter Küffer; Thun und seine Umgebungen, 125 Jahre Regionalspital Thun, Burgener Christian, Thun und Aarau, [1840] Universitätsbibliothek Bern, Dritte Abtheilung. Unterstützungs- und Wohlthätigkeits-Anstalten der Stadt Thun; Diverse
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