Bellevue Hotel

Das Hotel ist eine Gründung jener Gebrüder Knechtenhofer, die am Anfang des Thuner Fremdenverkehrs stehen. Sie waren es. die begannen, an der Hofstettenstrasse ausländische Gäste einzuquartieren und zu betreuen. Die alten Gasthäuser der Stadt wie etwa der Bären oder der Freienhof waren eher Unterkünfte für Durchreisende gewesen, während nun in Hofstetten Gaststätten entstanden, die dem zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufstrebenden Tourismus dienen wollten. Um 1830 siedelten sie sich wieder in Thun an. Schon vorher hatte die Familie, die ihr Stammhaus an der Hauptgasse hatte, Land in Hofstetten erworben, und zwar das sogenannte «Lindenheim». Oberhalb dieses alten Hauses liess Johann Jakob Knechtenhofer einen Neubau errichten den er «Bellevue» nannte. Im «Lindenheim» selber brachte er seine Gäste unter, die aus der ganzen Welt kamen und mit denen er möglicherweise durch seinen Tuchhandel in Kontakt gekommen war. Zusammen mit seinen Brüdern Johannes und Johann Friedrich wurde 1833 das heutige «Du Parc» gebaut, das zunächst «Hotel Bellevue et des Bains» genannt wurde. Es wurde bald erweitert und auch das an der Aare gelegene hohe Haus für Gäste eingerichtet. Doch der Gästestrom hielt an. und so ging man an den Bau eines weiteren Hotels neben dem bestehenden. Der Baubeginn war im Jahr 1839 und der Bezug im Jahr 1840. Dieses neue Haus erhielt den Namen «Bellevue» und hat ihn bis auf den heutigen Tag behalten. Das «alte» Bellevue wurde in «Du Parc» umgetauft und ist heute der Sitz der Berntorschule.

Hotel Bellevue Thun, Hoteltarife

Da viel englische Kundschaft abstieg, wurde für sie um die gleiche Zeit eine eigene Kapelle für Anglikaner erstellt, die heute (neben dem Göttibach-Schulhaus) der christkatholischen Gemeinde dient. Wie aktiv die Familie Knechtenhofer war, zeigt der Umstand, dass einer von ihnen, Johannes Knechtenhofer, im Jahr 1835 bei der Firma Cavé in Paris ein Schiff, bezeichnenderweise mit dem Namen «Bellevue» bauen liess: das erste Dampfschiff auf dem Thunersee. 1836 verkehrt das Schiff nach einem regelmässigen Fahrplan. Er nahm das Unternehmen so ernst, dass er sich selber das Kapitänsbrevet auf dem Neuenburgersee erwarb. Von 1844 bis 1864 übernahm der Neffe, Jakob Wilhelm Knechtenhofer das Hotel und hat immer wieder prominente Gäste angelockt wie: Kaiser Napoleon III. (allerdings inkognito), Könige, Prinzen, Herzoge, Grafen, Minister und ihre Frauen samt Gefolge sind hier abgestiegen. Um 1865 wurde das Haus um ein Stockwerk erhöht und ca. 1880 mit einem Saalanbau erweitert.

1890 übernahm die bernische Bodenkreditanstalt die Hotels, und 1896 fand die Vereinigung mit dem Grand Hotel Thunerhof statt. Noch ging es gut. aber dann kam der Erste Weltkrieg, welcher der Hotellerie stark zusetzte. Es folgten die Krisenjahre. und auf den Hotels wurde laufend viel Geld verloren. 1942 erwarb die Stadt Thun für wenig Geld den Thunerhof, das Bellevue und das Du Parc. Als Hotel blieb einzig das Bellevue erhalten, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nochmals gute Zeiten erlebte. Aber Pläne für einen Um- und Ausbau und mangelnde Finanzen für eine gründliche Sanierung führten dazu, dass der bauliche Zustand sich derart verschlechterte, dass das Haus aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen werden muss. (1)
Erst am 15. September 1980 wurde der Hotelbetrieb eingestellt. 2003 wurde das Haus komplett restauriert und umgebaut und ist heute eine Altersresidenz.

Quelle: 1: Burgerarchiv Akten-Nr. 504.2 1/6

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