Selve Thun

Die Metallwerke Selve Thun

Die Illustration unten (um 1900) zeigt das Areal der Firma «Schweizerische Metallwerke Selve & Co., Thun», das im Westen der Stadt Thun zwischen Aare und Eisenbahnlinie ein weiträumiges Gelände umfasste.

1895 gründete der Industrielle Gustav Selve in Thun die Schweizerischen Metallwerke Selve & Co. Die Firma umfasste vorerst 15 Arbeitskräfte. In den ersten Jahren des Bestehens arbeitete das Unternehmen fast ausschliesslich für die Eidgenossemschaft, vorab für die Munitionsfabrik Thun. Nach drei Jahren wurde mit der Herstellung von Telefondraht begonnen, nach fünf Jahren mit derjenigen von Aluminium-Halbfabrikaten. Im Jahre 1905 konnten bereits 200 Arbeiter beschäftigt werden. Im 2. Weltkrieg beschäftigte die Fabrik die stattliche Zahl von rund 1400 Mitarbeitenden. Die Selve mauserte sich zu einem der bedeutendsten Industrieunternehmen des Berner Oberlandes und stellte Produkte wie diverse Drahtarten, Aluminium- und Buntmetallfabrikate her.

Am 3. November 1945 feierten die Schweizerischen Metallwerke Selve & Co. ihr 50-Jahr-Firmenjubiläum. «Ihr, die diese Feier der 50 jährigen Bewahrung miterleben dürft, gebt diesen guten Geist der Einigkeit allen denen weiter, die Euch an Eurem Arbeitsplatz einmal ablösen werden.» Mit diesen Worten blickte der damalige Direktor Hermann Stamm optimistisch in die Zukunft. «Denn dann dürfen wir getrost sagen, dass die Generationen halt kommen und gehen. Doch das Werk bleibt. Segne Gott das Selve-Werk!».

Selve Thun Wandbild von 1920
Wandbild von 1920. Zum Vergrössern Bild anklicken

1979 wurde die Firma vom Financier Werner K. Rey erworben und 1985 schlossen sich die Selve Thun, die Metallwerke Boillat Reconvilier und die Metallwerke Dornach zum Konzern „Swissmetall“ zusammen. 1991 wurde wegen Überkapazitäten beschlossen, das Werk Thun zu schliessen. Die Produktion in der Thuner Selve wurde 1993 eingestellt. Anschliessend fanden im Bezug auf das sehr grosse Gelände diverse Handänderungen statt. Während diesen Jahren wurden die alten Fabrikgebäude zeitlich beschränkt zwischengenutzt. So fanden sich dort Gaststätten, Kleingewerbe, Sporthallen, Kulturlokale, Übungslokale, Lagerräume, Schulungsräume, Dienstleistungsbetriebe und Unterhaltungslokale. Das Selveareal stellte eine vor allem bei jungen Leuten beliebte Partymeile dar. Bilder aus dieser Zeit unter folgendem Link.

2008 begann dann der Abriss der alten Fabrikanlagen und die Neuüberbauung, welche aus dem ehemaligen Fabrikareal ein neues Quartier entstehen liess. Darauf befinden sich heute eine Alterssiedlung, Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, Gebäude der kantonalen Verwaltung und Gewerbebetriebe, sowie eine Parkanlage an der Aare. Von den alten Fabrikationsgebäuden blieben einzig der sogenannte Winkelbau und die Fabrikationshalle 6 sowie das 1947 neu erbaute Verwaltungsgebäude an der Scheibenstrasse bestehen, welche bis heute an die Firma Selve erinnern. 1

1.) Aus Selve – 750 Jahre Thuner Stadtrechte.

 

Das ehemalige Selveareal im Jahr 2012 (zum Vergrössern Bild anklicken)

 

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