Selve Partymeile

Zwischennutzung 1995 – 2006

Nachdem die beiden Firmen Titag AG und Marti AG sämtliche Liegenschaften der Selve in Thun und Uetendorf gekauft hatten, konnte während mehrerer Jahre nicht an bestehenden Projekten weitergearbeitet werden. Grund dafür war die Verschmutzung des Bodens auf dem ehemaligen Fabrikareal mit Schwermetallrückständen und Kohlenwasserstoffen. Die Fabrikhallen blieben jedoch nicht lange Zeit leer. Innert kurzer Zeit mieteten sich diverse Kleinunternehmer in die Räumlichkeiten ein, und eine neue Gruppe von jungen Menschen bevölkerte das Areal. Rasch stieg die Anzahl Betriebe an, und 1995 wurden schon gegen 80 verschiedene Mieter gezählt. Lediglich drei Jahre später zählte man schon 200 Betriebe auf dem Gebiet. Es entstanden vor allem Bars und Diskotheken, welche die Selve zu einer Partymeile und einem Ausgehparadies machten. Aber auch Künstlerateliers, Übungsräume, Materiallager, Clublokale, Handwerksbetriebe und vieles mehr siedelten sich in der Selve an.

Die Selve mauserte sich so nach und nach zu einem beliebten und national bekannten Ausgehviertel welches jedes Wochenende bis zu tausende von Besuchern anzog. Doch nicht nur positive Aspekte sind über diese Zeit zu berichten. Die Lokale waren relativ billig, und viele Kleinunternehmer erhofften sich, schnell gutes Geld machen zu können. Der «Sündenpfuhl Thuns», wie die Party-Selve oft genannt wurde, bot auch Raum für zahlreiche Konflikte und Gewalt. Oft waren illegale Dinge im Gange, Schlägereien, Drogenhandel, Brandstiftereien, Messerstechereien und Lokalverwüstungen waren an der Tagesordnung. Zwischenzeitlich entstand hier sogar eine illegale Wohnsiedlung aus etlichen bewohnten Wohnwagen. Die Tatsache, dass die Besitzer der Lokalitäten sehr schnell wechselten, machte es den Behörden nicht einfacher, einen Überblick über die verschiedenen Betriebe zu behalten. Viele Lokale wurden als Lager gemietet, dann aber als Bar oder Garage an Untervermieter weitergereicht. In Erinnerung gehalten werden muss stets, dass der Kanton und die Stadt das Selve-Areal nie als Freizeitmeile gekauft hatten. Es war allen Beteiligten von Anfang an bewusst, dass es sich immer nur um eine Übergangsnutzung handelte.

Mitte Dezember 2000 wurde das Selve-Areal schliesslich zwangsversteigert und an die Selve Park AG übergeben. Diese plante eine Überbauung eines neuen Stadtquartiers in Thun. Noch bis ins Jahr 2006 wurden diverse Betriebsbewilligungen immer wieder verlängert, danach war endgültig Schluss mit der Selve als Party-Mekka. Quelle: Thuner Tagblatt, 2. Juli 2013

 

Alle Ausgaben des damaligen Scenemagazins «SELVE» als PDF
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Selve Zeitung 1996 / 06

Ausgabe 1996/06

Selve Zeitung 1996 07/08

Ausgabe 1996/07

Selve Zeitung 1996 / 09

Ausgabe 1996/09

Selve Zeitung 1996 10

Ausgabe 1996/10

2008 begann dann der Abriss der alten Fabrikanlagen und die Neuüberbauung, welche aus dem ehemaligen Fabrikareal ein neues Quartier entstehen liess. Darauf befinden sich heute eine Alterssiedlung, Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, Gebäude der kantonalen Verwaltung und Gewerbebetriebe, sowie eine Parkanlage an der Aare. Von den alten Fabrikationsgebäuden blieben einzig der sogenannte Winkelbau und die Fabrikationshalle 6 sowie das 1947 neu erbaute Verwaltungsgebäude an der Scheibenstrasse bestehen, welche bis heute an die Firma Selve erinnern.

Bilder und Dokumentation der Selve während den aktiven Produktionszeiten unter folgendem Link.

Das ehemalige Selveareal im Jahr 2012 (zum Vergrössern Bild anklicken)

 

7 Gedanken zu „Selve Partymeile

  • 19. Oktober 2019 um 20:37
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    Yes! Merci für die Nostalgie und die Archivarbeit. Thun hat mal gelebt….

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  • 19. Oktober 2019 um 6:51
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    Ja die Ende 60iger anfangs 70iger Jugend hatte sich beschwert, als es nur die alte Phila gab. Dieselben erhielt später die Selve-Ausgangsmeile. Ja in Thun war etwas los und das wusste man Schweizweit. Nun sind diese End 60iger anfangs 70iger politisch am Drücker und sind wieder ins alte Fahrwasser zurück gefallen statt ihre damaligen Jugrnd-Bedürfnisse weiter zu geben.
    Ja die Selve war eine gute Zeit!

    Antwort
  • 19. Oktober 2019 um 0:45
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    Voll meine Zeit, WE am Selve war kultig. Öfters bin ich alleine hin und hab dann ziemlich schnell jdn. getroffen oder neue Leute kennen gelernt. Unvergessen im Herzen, mit diesen Bildern gedanklich wiederbelebt.
    Miss it.

    Antwort
  • 18. Oktober 2019 um 18:38
    Permalink

    Das war eine der schönsten Zeiten. Egal wo man ging, es war überall jemand da, den man kannte und ein ganz schöner Abend verbringen konnte. Ich lernte auch viele neue Leute kennen, mit denen ich noch heute eine Freundschaft pflege.
    Es ist sehr traurig, dass es sowas nicht mehr gibt. Ich denke da auch gerade an die jungen Leute, viele beschweren sich über die jungen, weil sie sich auf den Strassen herumtreiben!!!!
    Wo zum Teufel sollen sie den hin???? Es hat ja nichts….(oder sehr wenig).. gerade für die 16-18 jährigen ist es schwierig, weil der Eintritt für in einen Club erst ab 18 oder 20 ist…
    Meine Jungs sind zum Glück (23/26) aber ich sah schon bei Ihnen, dass sie nirgends sein sollen… es gibt soooooo viele nette junge Leute die auch Feiern und sich mit Kollegen treffen wollen um sich einen schönen Abend zu machen, genau so wie wir es getan haben..
    Und sorry, bei uns lief auch nicht immer alles so harmlos…
    Nochmals, es war ganz eine geile Zeit..

    Antwort
  • 18. Oktober 2019 um 17:05
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    Flashback!
    Danke für diese tolle Zusammenstellung! Das war voll meine Jugendzeit! Tolle Erinnerung! Schade gibts das nicht mehr. Aber zeigt auch, dass alles vergänglich ist und nur die Erinnerungen bleiben.

    Antwort
  • 18. Oktober 2019 um 15:22
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    Nach dem Kings Pub im Bälliz, war dies die geilste Zeit.
    R.I.P

    Antwort
  • 18. Oktober 2019 um 11:52
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    die neue Überbauung war der Todesstoss des Nachtlebens in unserer Stadt! Wir trauern immer noch!
    R.I.P Selve

    Antwort

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