Hotel Emmental

Das Restaurant und Hotel Emmental am Berntorplatz mit dem grossen Tanz- Konzert- und Theatersaal wurde 1895–96 erbaut. Vorher befand sich auf dem Gelände bereits ein grösseres Haus (siehe erstes Bild unten in der Galerie).

Fast 100 Jahre lang war der grosse Saal des «Emmentaler» für zahlreiche gesellschaftliche, kulturelle und politische Vereins- Theater- Tanz und Musikanlässe und Ausstellungen genutzt worden. So wurde im November 1905 auch zu einem Streik bei den Metallwerken Selve ausgerufen (Bild rechts), was für Thuner Verhältniss eher selten war. Auch die ersten dokumentierten Filmvorstellungen in Thun fanden ab 1897 im grossen Saal des Hotels Emmental statt, also lange bevor das Kino Löwen an der alten Bahnhofstrasse eröffnete. Innerhalb der zahlreichen Veranstaltungen, gab es im Emmental unter anderem auch Völkerschauen, wo Kulturen aus fremden Regionen  in ihren Stereotypen zur Schau gestellt wurden. So präsentierte sich im Jahr 1902 eine sogenannte «Schilluck-Karawane». Auch die Berichterstattung in den Medien bediente sich den damals gängigen Klischees über fremde Völker. So schrieb beispielsweise «Der Bund» im Dezember des gleichen Jahres über dieselbe Vorstellung in Bern:

«Die Sudan-Neger vom Stamm der Schilluk aus Central-Afrika, welche sich zurzeit in Victoria Hall zeigen, sind eines Besuches wohl würdig. Nachdem uns der Impresario die Männer, Frauen und Kinder, unter Angabe des Namens und des Alters vorgestellt, beginnt die Vorstellung mit einem religiösen Gesang, dem verschiedene Tänze folgen. Recht drastisch werden der Raub eines Kindes, die Verfolgung und Einfangung des Verbrechers und dessen Hinrichtung dargestellt, nachdem der Häuptling Abdullah Hattan das Urteil gesprochen hat. Mit wilden Kriegstänzen schließen die Vortellungen, die bis zum 17. Dezember von 3 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends zu allen Stunden gegeben werden. Die schwarzbraunen Gesellen tragen kurze Beinkleider und Felle…»

 

Ab 1913 befand vor dem Restaurant Emmental auch eine Haltestelle für das Thuner Tram, welches Richtung Steffisburg rasselte.

Gegen Ende der Achtzigerjahren rentierte der aufwändige Betrieb des baufälligen Saals immer weniger. Die Betreiber Schöni versuchten noch einige Jahre den Unterhalt des Saals weiter aufrechtzuerhalten. Nachdem die Fixkosten aber immer grösser wurden, musste man den Betrieb 1992 schliesslich komplett aufgeben und verkaufen. 1993 wurde das neu renovierten Hotel mit Barbetrieb mit dem neuen Betreiber Charles Lanzrein noch einjähriger Komplettsanierung wiedereröffnet, jedoch diesmal ohne den Vereins-Saal.

Standort

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