Hochwasser 2005

Sintflutartig prasselt der Regen im August 2005 auf Thun und das Oberland nieder. Innerhalb kürzester Zeit steigt der Thunersee bedrohlich an. Am 22.August steht der Bonstettenpark unter Wasser, das Altersheim Sonnmatt mit seinen 120 Bewohnerinnen und Bewohnern wird evakuiert, der Pegel erreicht 558,90 Meter. In der Region verschütten Erdrutsche Strassen. Erinnerungen an das Hochwasser von 1999, als der See auf 559,17 Meter gestiegen ist, werden wach. Kaum einer glaubte damals, dass es noch schlimmer kommen könnte.

Doch der Seepegel steigt weiter. Am 23.August erreicht er eine Höhe von 559,20 Metern. Der Strom fällt teilweise aus, die Abwasserentsorgung ebenfalls, Schwemmholz verstopft die Schleusen, Strassen sind gesperrt. In Brienz kommen sogar zwei Personen ums Leben. Doch mitten in der wohl grössten Naturkatastrophe, die Thun je erlebt hat, gibt es auch einen Grund zum Feiern. Der FC Thun qualifiziert sich in Bern sensationell für die Champions League.

Meterhoch Wasser im Haus

Und am 24. August erreicht der Thunersee dann mit 559,25 Metern seinen Höchststand. Doch die Situation in Thun bleibt über mehrere Tage äusserst angespannt. Häuser von Seeanwohnern stehen ebenso unter Wasser wie Mühleplatz und Aarequai, grosse Stadtteile sind ohne Strom. Um das Schwemmholz aus den Schleusen zu entfernen, wird ein Mann an einem Kran abgeseilt. Er zerkleinert das Holz mit der Motorsäge. Doch das verkeilte Holz verhindert auch noch am nächsten Tag eine grössere Abflussmenge aus dem See.

Der Pegel des Thunersees sinkt am 26.August auf 558,90 Meter ab, das Geschäftsleben in der Thuner Innenstadt normalisiert sich langsam wieder. Einige Brücken und Strassen bleiben gesperrt. Das grosse Aufräumen kann beginnen. Die Schadenbilanz: Allein in der Stadt Thun betrugen die Gebäudeschäden 44 Millionen Franken.

Stollen für 65 Millionen

Bereits nach dem Hochwasser von 1999 hatte der Kanton begonnen, Massnahmen für einen besseren Hochwasserschutz auszuarbeiten. Doch eine einst geplante Ausbaggerung der Aare beim Seeauslauf in der Schadau scheiterte am Widerstand von Fischerei- und Naturschutzverbänden. Nach dem Ereignis von 2005 ging es dann schnell: Angesichts der riesigen Schäden der beiden Hochwasser waren die hohen Kosten von rund 65 Millionen Franken für den Entlastungsstollen kaum noch ein Thema. 2009 konnte der 1,2 Kilometer lange Stollen eröffnet werden.

Seither gab es kaum noch nennenswerte Hochwasserschäden. Der Stollen bewährte sich zuletzt vergangenen Mai, als der See die Schadengrenze von 558,30 überschritt. «Ohne Stollen wäre das sicher nicht so glimpflich abgelaufen», meinte damals Bernhard Schudel, Leiter Gewässerregulierung beim Kanton.

Thuner Tagblatt vom 17.08.2015

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