Ziegelei Steffisburg

In Zusammenarbeit mit Marino Maggetti, Dr. rer. nat., Prof. ord. em. University of Freiburg

Die Geschichte der Ziegelei Steffisburg geht weit zurück. Bereits im Mittelalter wurde im Gebiet Erlen-Schörlen Lehm abgebaut. Der Lehm wurde in den Hafnerwerkstätten (Töpfereien) und Ziegelhütten verwendet um unter anderem Dachziegel, Mauersteine, Bodenplatten und Kaminsteine herzustellen. Auch die Ziegelhütten in Hofstetten bei Thun bezogen einen Grossteil ihres Lehms aus den Lehmgruben in Steffisburg. In Thun selber gab es damals nur Lehmvorkommen in der Eselmatte, dem heutigen Seefeld-Quartier. Deshalb kaufte im Jahr 1794 die Berner Regierung das Schörlengut in Steffisburg und sicherte sich damit die grossen Lehmvorräte für ihre Ziegelhütten in Thun. 1808 verkauften die bernischen Staatsbehörden ihre Ziegelfabriken in Thun ihrem Berhauptmann Johann Jakob Schlatter und dem Thuner Ratsherren David Jakob Schrämli (1762-1840). 1821 übernahm Schrämli Schlatters Anteil und kaufte 1839 auch den Oberkeitlichen Zehndkeller (heute Beau Rivage).

1862 kaufte die Firma eine «Mittlere Ziegel-Maschine» vom Berliner Maschinen-Fabrikant Schlickeysen (Bild oben rechts). Die Schrämlis waren damals schweizweit die einzigen, mit einem derart hochmodernen und effizienten Gerät. Die mit Pferden angetriebene Schneckenpresse produzierte so 3000 Ziegel pro Tag; dreimal so viel, wie vorher mit einer damals üblichen dreiköpfigen Mannschaft (Tonzuträger, Streicher, Ziegelabträger) erzeugt werden konnte. Das Brennen der Ziegeleiprodukte benötige eine Unmenge an Holz, welches auf dem Wasserweg, meist aus dem Simmental, kam.

David Jakob Schrämli gehörte zur ersten, sein Sohn Karl Schrämli-Müller zur zweiten und dessen gleichnamiger Sohn wie sein Bruder Albert zur dritten Generation der Ziegeleidynastie. 1809 kauften die Schrämlis das Schörlengut in Steffisburg vom Staat. Der zunehmende Druck des aufkommenden Tourismus in Thun-Hofstetten, mit der vorteilhaften Lage am See mit Sicht auf das Bergpanorama, wurde immer stärker und so verlegten die Schrämlis 1869 ihren Betrieb ins Glockental, nahe des Lehmabbaugebiets Schörlen. Im gleichen Jahr erhielten sie die Bewilligung, eine Telegrafenleitung von Thun zu ihrem neuen Produktionsstandort zu bauen. Im Jahr 1872 verkauften sie die ehemalige Thuner Parzelle an die Baugesellschaft Thun, welche dort zwischen 1873 und 1875 das Grand Hotel Thunerhof erbaute.  Die neuen Ziegelhütten befanden sich auf dem Gebiet südöstlich des heutigen Ziegeleikreisels zwischen der heutigen Thunstrasse, der Ziegeleistrasse und dem Eich- und Amselweg. Im Bereich der heutigen Fritz Studer AG.

1890 kaufte der Berner Walther Emil Koenig das Unternehmen für 300’000 Franken. Der Betrieb, der fortan den Namen Ziegelei Koenig & Co. trug und grosse Bekanntheit erlangte, wurde aber weiter von Karl Schrämli geleitet. 1894 deponierte die Firma beim Eidgenössischen Patentamt ein spezielles Markenbild: eine Glocke, angelehnt an den dort ansässigen Quartiername Glockental, sowie mit dem untenstehenden Schriftzug «THUN». Die Geschäftsleitung sah sich wegen unlauterer Konkurrenz genötigt, ihre Falzziegel mit dieser Pressmarke zu versehen. Diese Markierung muss wohl von den Angestellten von Hand aufgebracht worden sein, da die Position auf jedem Ziegel willkürlich ist. Später wurde eine weitere Markierung mit der Aufschrift KOENIG & CIE. ZIEGELEI – GLOCKENTHAL THUN aufgebracht. Neben Dachziegeln wurden im Betrieb auch andere gebrannte Produkte wie Bachsteine, Riegsteine oder Drainierröhren hergestellt. An der Bernisch-Kantonalen Industrie- & Gewerbe-Ausstellung in Thun von 1899 holte sich die Ziegelei eine Goldene Medaille.

Im Jahr 1920 wurden die Ziegelhütten schliesslich stillgelegt. Heute erinnern in Steffisburg noch die Bushaltestelle Ziegelei, die Ziegeleistrasse sowie ein Altersheim, ein Restaurant, eine Wohngemeinschaft, sowie eine Pizzeria an den ehemaligen Betrieb.

Ehemaliger Standort

Quellen: BZ 30.01.2015; Marino Maggetti (2024): Thuner Ziegeleien des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Jahresbericht Schloss Thun 2023, S. 76-91; Die Nutzung der Wasserkraft in Steffisburg von Georg Frank, Burgerbibliothek Bern, swisstopo, Diverse

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