Vereine & Veranstaltungen

Das 19. Jahrhundert gilt als das «Jahrhundert der Vereine». Gesellschaften und Vereine als neue Formen der Geselligkeit der sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft entstanden in grosser Zahl, auch in Thun. Der Verein positionierte sich zwischen dem einzelnen Individuum und der Gesellschaft und erhielt somit eine integrative Funktion. Vereine werden als Elemente stabiler Demokratien bezeichnet, da sie eine Verknpüfung von Mitgliedschafts- und Staatsbürgerrolle ermöglichen und gleichzeitig als Institution selbständigen Handelns und freier Tätigkeit fungieren. War die mittelalterliche Gesellschaft noch ständisch strukturiert, wobei das einzelne Individuum keine freie Wahl des Standes und gleichzeitig auch keine Existenz  ausserhalb des Standes hatte, führte der aufgeklärte Absolutismus des gehobenen Bürgertums dazu, dass diese Standesschranken abgebaut wurden und erste Vereine entstanden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Vereinsgründung zu einem Merkmal der bürgerlichen Mittelschicht und die Vereine wurden immer mehr zu einem Ersatz für die mitterlalterlichen Stände. Diese bürgerliche Kultur der individuellen Leistung, Betonung von Bildung, Sport, Musik, Zuneigung zu Künsten und Wissenschaft und damit Anspruch auf die wirtschaftliche Belohnung und politischen Einfluss formierte sich in diesem Vereinswesen.

Die bürgerliche Gesellschaft war durch das Aufkommen der Vereine durch Geselligkeit geprägt. Geselligkeit und Vereine wirkten zusammen und hatten eine gemeinschaftsbildende Wirkung. Innerhalb eines Vereins sollte über regelmässige Treffen, Wettkämpfe, Feste oder Umzüge eine kollektive Identität geschaffen werden. Gefestigt wurde diese Identität noch mit spezifischen Symbolen wie Vereinsemblemen, Abzeichen und Fahnen, die an Umzügen und Veranstaltungen mitgetragen und gezeigt wurden. Die Geselligkeit unterlag ebenfalls der strikten bürgerlichen Geschlechterteilung: Frauen waren in der Öffentlichkeit von der Geselligkeit in den Vereinen sowie übrigens auch in den Wirtshäusern und Kaffees vollständig ausgeschlossen. Für die Männer stellten die Wirtschaften hingegen ein beliebter Ort zur Pflege der Geselligkeit, zum Trinken, zum Reden, zum Spielen und zum Abschluss von Geschäften oder politischen Angelegenheiten dar. Die Geselligkeit im öffentlichen Raum war reine Männersache. Diese verfestigte sich dadurch, dass die Vereinssitzungen häufig in Wirtshäusern stattfanden. Die daraus entstehende Geselligkeit drückte sich deshalb nicht selten in Form eines exzessiven Alkoholkonsums, als Inszenierung von Männlichkeit, aus. In der Schweiz hatte sich der Spirituosenkonsum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast verdoppelt, was zu grossen sozialen, medizinischen und persönlichen Probleme gerade in der ärmeren Bevölkerung und auch zur Gründung diverser Abstinenzbewegungen führte.

Quellen: FC Thun 1898-1914 – Die bewegte Gründerzeit des Fussballclubs Thun bis zum Ersten Weltkrieg – von Mevion Heim, Museum Schloss Thun, Diverse

 

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