Marktgasse

Der Bereich der heutigen Marktgasse hiess früher schlicht „Viehmarkt“, fanden dort doch die monatlichen Thuner Viehmärkte statt.

Für den Viehhandel stellte Thun den bedeutendsten Viehmarktplatz im Berner Oberland. Das entscheidende Merkmal, das in der Vergangenheit eine Stadt von den Dörfern unterschied, waren die Rechte, Märkte durchzuführen. Diese wurden mit der Zeit abgelöst durch kleinere Verkaufsgeschäfte sowie sogenannte Colonialwaaren-Geschäfte welche Produkte aus Übereee, eben den ehemaligen Kolonien, wie Kaffee, Reis, Kakao etc. verkauften. Ein solches Geschäft befand sich auch in der Marktgasse. Die 1869 erbaute Samenhandlung Schweizer, welche nach einem Brand 1912 umgestaltet wurde. Vorher stand an dieser Stelle die Kronenscheuer, wo Gäste, des auf dem Rathausplatz ansässigen Hotels Krone, ihre Pferde einstellten.

Diverse Märkte prägten in vergangenen Jahrhunderten das Gepräge der Stadt Thun. Zu erwähnen sind Jahrmärkte, etwa der Herbstmarkt oder der Kalte Markt, aber auch spezielle Märkte, auf welchen diverse Kaufangebote feilgehalten wurden, so beispielsweise der Kornmarkt, Ankenmarkt, Fischmarkt, Schafmarkt, Ziegenmarkt oder der Schweinemarkt in der Berntorgasse. Jeder dieser Märkte hatte einen eigenen besonderen Standort innerhalb der Stadtmauern.

Innerhalb der Marktgasse befanden sich zwei Reihen fest montierte Halterungen, um das Vieh anzubinden und unterhalb der Marktgasse, beim Sternenplatz, stand das öffentliche Waaghaus, wo die Tiere gewogen wurden.

100 Franken Banknote von 1907Ein Kuhhandel wurde immer mit einem Handschlag besiegelt und in bar bezahlt. Die Bauern trugen daher Bündel von Geldschein mit sich und traditionellerweise musste der Käufer den Viehhändler danach zum Essen einladen.  Daher war es wohl kein Zufall, dass es gerade rund um die Marktgasse eine derartige Dichte von Gastgewerbebetrieben gab. Heute sind die meisten davon leider verschwunden. Allein die alten Wirtshausschilder sind noch erhalten geblieben und erinnern an den «Bären», den «Ochsen», den «Hirschen» oder den «Anker».

Ab Oktober 1913 fuhr die Strassenbahn vom ehemaligen Bahnhof Thun in Richtung Steffisburg. So musste der Viehmarkt von der Marktgasse in den neu geschaffenen Viehmarktplatz unterhalb des Berntorplatzes verlegt werden.

In der Marktgasse 6A wurden ausserdem beim Bau eines Hauses 1924 die ältesten Besiedlungsspuren der Stadt Thun gefunden. Die gefundenen Werkzeuge, Keramikscherben und Knochenreste stammen aus der frühen Jungsteinzeit (ca. 3000 v.Chr).

Quellen: thunintime, Thun in Wort und Bild, SIA-App, Diverse

Standort

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