Kuhbrücke

Die Kuhbrücke war im Mittelalter eine gedeckte Holzbrücke von nur 4,5 Metern breite. Die Thuner Allmend stand in dieser Zeit allen genossenschaftlich organisierten Landwirte zur freien Verfügung. Um die Stadt zu queren passierten die Kühe das Kuhtöri (Allmendtor) und eben die Kuhbrücke, was der Brücke ihren Namen gab. Diese Art von Weidegang stiess in Thun allerdings auf immer mehr Widerstand, da die Kühe auf ihrem täglichen Heimweg Dünger verloren. So wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts auf der Allmend selbst Ställe errichtet.

Kuhbrücke Blickrichtung Bälliz 

Auf der rechten Seite steht das alte Völklihaus. Die Entstehungsgeschichte des neuen Gebäudes, des Vorderen Steinerhauses, wie es dann genannt wurde, mutet heute recht seltsam an. Zitat aus «Mein liebes Thun» von Markus Krebser: «Als anno 1876 die Spar- und Leihkasse Thun den Wunsch nach einem eigenen Gebäude verspürte (…), da erwarb sie diese baufällige Besitzung für einen Neubau. Der Plan verwirklichte sich jedoch nicht. Stattdessen veräusserte sie das Völklihaus anno 1890 an den Schuhmachermeister Eduard Steiner unter zwei akkuraten Bedingungen: dass er umgehend neu baue und gleichzeitig der Kasse den ersten Stock vermiete.» Wenn heutzutage im Bälliz neu gebaut wird, so sind die Bauherren gewöhnlich Banken und Versicherungen und kaum Einzelpersonen. Und wenn schon, dann wohl nicht ein Schuhmachermeister, der in der Regel nicht in der Lage ist, sich auch nur als Mieter in einem von einer Bank erstellten Neubau zu Lewis Wilkins 1893installieren. Das alte Völklihaus wurde dann 1892 abgerissen und der Neubau 1893 bezogen. Die Spar- und Leihkasse zog aber schon bald weiter zu ihrem eigenen Gebäude: das Haus am andern Ende der Häuserzeile, am Brückenkopf zur Allmendbrücke (heute Restaurant la Perla).

Das Steinerhaus war ein gepflegtes Gebäude der Gründerjahre von ausgesprochen städtischem Charakter. Im Erdgeschoss befanden sich die Apotheke Dannegger (die Stammfirma der heutigen Bälliz-Apotheke) und das Restaurant Gambrinus benannt nach dem legendären König, welcher der Erfinder des Bierbrauens gewesen sein soll. Das Gambrinus mit seiner Aareterrasse war auch bekannt für seine ausgefallenen und kuriosen Abendveranstaltungen (siehe ein paar Inserate unten). So wurde im Jahr 1898 der 8 Fuss hohe Amerikaner Lewis Wilkins als „Riese“ zur Schau gestellt (Bild links).

Tagblatt der Stadt Thun 1908
Tagblatt der Stadt Thun 1908

Täglicher Anzeiger 1904
Täglicher Anzeiger 1904

Thuner Wochenblatt 1898
Thuner Wochenblatt 1898

Ab 1912 eröffnete dann das Warenhaus Loeb dort seine Thuner Filiale. Nachdem der Loeb im Bälliz seinen Neubau bezogen hatte, wurde das Haus der Migros verkauft, komplett abgerissen und 1955 durch den Neubau ersetzt wie wir ihn heute kennen.

 Kuhbrücke Blickrichtung Marktgasse

Auf der linken Seite steht das Café Frey. Während rund eines halben Jahrhunderts wurden auf einer grosszügigen Aareterrasse direkt neben der Kuhbrücke und am Ende der Marktgasse die Gäste des Restaurants Frey mit spanischen Spezialitäten verwöhnt. Das Restaurant wurde 1963 abgebrochen und durch den damaligen Neubau, des Herrengeschäft PKZ (heute Coop Kyburg) ersetzt. Anstelle der Aareterrasse entstand ein Durchgang der Aare entlang, mit den grossen Schaufenstern des Kleidergeschäfts des ehemligen PKZ. Auf der rechten Seite stand das 1958 abgerissene alte Waaghaus. Am 10. Oktober 1913 fuhr zum ersten Mal das Thuner Tram über die Kuhbrücke vom alten Bahnhof Richtung Steffisburg. Die Aufenthaltsqualität für Fussgänger sowie der Verkehrsfluss wurde deutlich gesteigert durch das flächige Queren, welches 2011 mit den «blauen Wellen» auf der Kuhbrücke eingeführt wurde.

Quellen: TT, 06.07.1987, TT, 13. März 1987 Christoph Müller, Mein liebes Thun, Markus Krebser, 150 Jahre Milchverwertungsgenossenschaft Thun und Umgebung von Christian Aeschbacher, Diverse

Standort

 

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