Grabengut & Grabenstrasse
Die Grabenstrasse, die vom Berntorplatz beim ehemaligen Berntor vorbei beim Restaurant Emmental und dem ehemaligen Sädel in Richtung Eissporthalle (ehemaliges Grabengutstadion) beim ehemaligen Schwäbistor Richtung Schwäbis führt, hat ihren Namen vom mittelalterlichen Stadtgraben, welcher ursprünglich eine Tiefe von drei Metern und eine Breite von dreizehn Metern hatte. Später wurde der Stadtgraben von den Stadtbewohnern als Gärten verwendet, im ausgehenden 19. Jahrhundert dann aber ganz aufgefüllt. Als ab 1913 das Thuner Tram durch die Innenstadt und über den Berntorplatz in Richtung Steffisburg fuhr, verlegte man den Viehmarktplatz von der Marktgasse an die Grabenstrasse. Die noch heute auf einer Länge von 85 Metern aufrechtstehende Stadtmauer, mit den beiden noch bestehenden Ecktürmen Chutzenturm beim Berntorplatz und der Zyroturm, erhebt sich 9 Meter. Bei Sanierungsarbeiten an der Grabenstrasse kamen immer wieder Teile des alten Stadtgrabens und eines alten Römerkanals zum Vorschein. An der Grabenstrasse 6 produzierte die erste Käserei von Thun von 1836 bis 1863 Butter und Magerkäse und das ausgerechnet im Haus einer ehemaligen Gerberei und vom ehemaligen Metzgermeister David Knechtenhofer.
Um Baumaterial zu sparen, baute die Stadt 1912 direkt an den Venner-Zyrotum den sogenannten Steigerturm, ein Übungsturm für das Steiger- und Rettungscorps der Feuerwehr, welcher auch als Schlauchtröckneturm diente. Diesem Korps gehörten wagemutige Männer an, welche mit kurzen Stockleitern (die hohen mechanischen Leitern kamen erst im Laufe der Zeit auf) Häuser und Dächer bestiegen, um Menschen, Vieh und Habe zu retten. Der Steigerturm wurde 1961, auch aus Bedenken des Denkmalschutzes, wieder abgerissen.


Geschichte FC Thun
Bevor auf dem Thuner Grabengut Schlittschuh gelaufen und Hockey gespielt wurde, stand der Platz zwischen Schwäbispromenade und Viehmarktplatz ganz im Zeichen des Fussballs. Zwischen 1927 und 1954 befand sich dort die Heimstätte des FC Thun. Doch wie kam es dazu, dass der Verein seine Spielstätte Ende der 1920er-Jahre von der Allmend an die Innenstadt verlegte? Im Herbst 1925 erst hatte der FC Thun auf der Allmend neue versenkte Torpfostenlöcher verbaut. Unter anderem sollte damit das Verletzungsrisiko minimiert werden. Am 16. Februar 1926 verunglückte auf der Allmend ein Pferd der Trainrekrutenschule, weil ein Loch von unseren Goalsockeln offen gelassen wurde. Das Pferd musste abgetan werden und man machte den Fussballclub verantwortlich dafür. Nach Abzug der Einnahmen des Pferdefleisches blieb für den FC eine zu begleichende Schuld von 280 Franken übrig. Das eidgenössische Militärdepartement entzog deshalb dem Fussballklub die Platzbewilligung auf der Allmend. Sofort wurde damit begonnen, einen Ersatz zu suchen. Da man eine Abwanderung des Fussballclubs in die Gemeinde Steffisburg fürchtete einigte man sich auf eine Obstwiese auf dem Grabengutareal angrenzend an den neuen Marktplatz. Bald wurden die Obstbäume gefällt und die Wiese beackert. Jedes Mitglied des Fussballclubs wurde verpflichtet, pro Woche acht Stunden Arbeit zu leisten, um den Platz bis zum Herbst spielbereit zu haben. Um die Platzerstellungskosten von 15’000 Franken stemmen zu können gab man 700 Anteilscheine à 10 Franken aus.
Am 28. August 1927 konnte der Sportplatz im Grabengut feierlich eröffnet werden. Und selbstverständlich wurde auch Fussball gespielt. In zwei Freundschaftsspielen siegte eine Auswahl der Young Boys gegen die erste Mannschaft des FC Thun mit 5:3. Balsam für die Thuner Fussballseele an diesem feierlichen Tag dürfte dafür der Sieg von Thun II gegen den FC Spiez (5:1) gewesen sein. Übrigens: Die schicksalhaften Goalsockel auf der Allmend liess der FC Thun Ende 1927 durch die städtische Liegenschaftsverwaltung entfernen, welche dafür eine Rechnung von 2 Franken ausstellte. 1946 wurde die Holztribüne eröffnet, welche noch bis 2026 innerhalb der Eishockeihalle stehen blieb. Die Stammbeiz des FC Thun war übrigens das Restaurant Sternen am Sternenplatz wo der Club am 1. Mai 1898 erstmals gegründet wurde. Zwei Jahre später wurde der FC Thun wieder aufgelöst und im Jahr 1905, wieder im Sternen, neu gegründet. Apropos Sternen – das neue Trikot hatte teilweise fünfzackige, achtzackige oder auch gar keine Sterne. Die Farbgebung rot-weiss bestand allerdings damals schon und ist bis heute so geblieben.
1954 wurde der Spielbetrieb ins neue Lachenstadion im Dürrenast verlegt. Der Grabenplatz war auch lange ein wichtiger kultureller Begegnungsplatz, wo Jahrmärkte und grössere sportliche Ereignisse stattfanden. Auch der Zirkus Knie schlug ab 1925 regelmässig dort seine Zelte auf. 1959 wurde dann an der Stelle des Fussballplatzes die Kunsteisbahn eröffnet und so zog der Zirkus fortan an die Allmendstrasse. Von 1960 bis 1993 wurde auf dem Areal der Kunsteisbahn jeweils die Oberländische Herbstausstellung OHA durchgeführt.1973 ging im Grabengut das erste Parkhaus von Thun in Betrieb. Es war mit 600 Plätze auch das grösste Parkhaus der Schweiz.
Quellen: Thuner Tagblatt, 08.08.2018; Jahresbericht Schloss Thun, 1988; BZ, 21.12.2017 von Manuel Berger; 150 Jahre Milchverwertungsgesnossenschaft Thun und Umgebung; TT, 22.05.2023; Berntorplatz: Der Graben und die spätmittelalterliche Befestigung der Unterstadt. In: Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2019, S. 110-113; Diverse
Standpunkt





























































Meine erste Zirkusvorstellung sah ich im Knie auf dem Grabenplatzr. Auf dem Grabenplatz fand auch mal eine Katzenausstellung statt. Da kaufte ich meine erste Katze.
Wir hatten noch einen schönen Garten hinter dem Fussballplatz . Leider mussten die Gärten der Curling Halle Platz machen. Was schade war den einen Garten gab’s nie mehr für uns.