Grabengut & Grabenstrasse

Teile des alten Stadtgrabens an der Grabenstrasse/Berntorplatz. 28.05.2018
zum Vergrössern anklicken

Die Grabenstrasse, die vom Berntorplatz beim ehemaligen Berntor in Richtung Eissporthalle beim ehemaligen Schwäbistor und Richtung Schwäbis führt, hat ihren Namen vom mittelalterlichen Stadtgraben, welcher ursprünglich eine Tiefe von drei Metern bei eine Breite von dreizehn Metern hatte. Später wurde der Stadtgraben von den Stadtbewohnern als Gärten verwendet, im ausgehenden 19. Jahrhundert dann ganz aufgefüllt. Als ab 1913 das Thuner Tram durch die Innenstadt und über den Berntorplatz in Richtung Steffisburg fuhr, verlegte man den Viehmarktplatz von der Marktgasse an die Grabenstrasse. Die noch heute auf einer Länge von 85 Metern aufrechtstehende Stadtmauer, mit den beiden noch bestehenden Ecktürmen Chutziturm beim Berntorplatz und der Zyroturm, erhebt sich 9 Meter. Bei Sanierungsarbeiten an der Grabenstrasse im Mai 2018 kamen Teile des alten Stadtgrabens zum Vorschein (siehe Bild oben rechts).

Um Baumaterial zu sparen, baute die Stadt 1912 direkt an den Zyrotum den sogenannten Steigerturm, ein Übungsturm für das Steiger- und Rettungscorps der Feuerwehr, welcher auch als Schlauchtröckneturm diente. Diesem Korps gehörten wagemutige Männer an, welche mit kurzen Stockleitern (die hohen mechanischen Leitern kamen erst im Laufe der Zeit auf) Häuser und Dächer bestiegen, um Menschen, Vieh und Habe zu retten. Der Steigerturm wurde 1961,  auch aus Bedenken des Denkmalschutzes, wieder abgerissen.

zum Vergrössern anklicken

Bevor auf  dem Thuner Grabengut Schlittschuh gelaufen und Hockey gespielt wurde, stand der Platz zwischen Schwäbispromenade und Viehmarktplatz ganz im Zeichen des Fussballs. Zwischen 1927 und 1954 befand sich dort die Heimstätte des FC Thun. Doch wie kam es dazu, dass der Verein seine Spielstätte Ende der 1920er-Jahre von der Allmend an die Innenstadt verlegte? Im Herbst 1925 erst hatte der FC Thun auf der Allmend neue versenkte Torpfostenlöcher verbaut. Unter anderem sollte damit das Verletzungsrisiko minimiert werden. Am 16. Februar 1926 verunglückte auf der Allmend ein Pferd der Trainrekrutenschule, weil ein Loch von unseren Goalsockeln offen gelassen wurde. Das Pferd musste abgetan werden und man machte den Fussballclub verantwortlich dafür. Nach Abzug der Einnahmen des Pferdefleisches blieb für den FC eine zu begleichende Schuld von 280 Franken übrig. Das eidgenössische Militärdepartement entzog deshalb dem Fussballklub die Platzbewilligung auf der Allmend. Sofort wurde damit begonnen, einen Ersatz zu suchen. Da man eine Abwanderung des Fussballclubs in die Gemeinde Steffisburg fürchtete einigte man sich auf eine Obstwiese auf dem Grabengutareal angrenzend an den neuen Marktplatz. Bald wurden die Obstbäume gefällt und die Wiese beackert. Jedes Mitglied des Fussballclubs wurde verpflichtet, pro Woche acht Stunden Arbeit zu leisten, um den Platz bis zum Herbst spielbereit zu haben.  Um die Platzerstellungskosten von 15’000 Franken stemmen zu können gab man 700 Anteilscheine à 10 Franken aus.

Am 28. August 1927 konnte der Sportplatz im Grabengut feierlich eröffnet werden. Und selbstverständlich wurde auch Fussball gespielt. In zwei Freundschaftsspielen siegte eine Auswahl der Young Boys gegen die erste Mannschaft des FC Thun mit 5:3. Balsam für die Thuner Fussballseele an diesem feierlichen Tag dürfte dafür der Sieg von Thun II gegen den FC Spiez (5:1) gewesen sein. Übrigens: Die schicksalhaften Goalsockel auf der Allmend liess der FC Thun Ende 1927 durch die städtische Liegenschaftsverwaltung entfernen, welche dafür eine Rechnung von 2 Franken ausstellte. 1946 wurde die noch heute beim Eishockeiplatz stehende Holztribüne eröffnet. Die Stammbeiz des FC Thun war übrigens das Restaurant Sternen am Sternenplatz wo der Club am 1. Mai 1898 erstmals gegründet wurde. Zwei Jahre später wurde der FC Thun wieder aufgelöst und im Jahr 1905, wieder im Sternen, neu gegründet.

1954 wurde der Spielbetrieb ins Lachenstadion verlegt. Der Grabenplatz war auch lange ein wichtiger kultureller Begegnungsplatz, wo Jahrmärkte, der Zirkus und grössere sportliche Ereignisse stattfanden. 1959 wurde dann an der Stelle des Fussballplatzes die Kunsteisbahn eröffnet und 1994 überdacht. Von 1960 bis 1993 wurde auf dem Areal der Kunsteisbahn sowie dem 1972 gebauten Grabengutparkhaus jeweils die Oberländische Herbstausstellung OHA durchgeführt.

Quellen: Thuner Tagblatt 08.08.2018, Jahresbericht Schloss Thun 1988, BZ 21.12.2017 von Manuel Berger, Diverse

Standpunkt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.