Der Schwarze Turm

Fast 600 Jahre lang gehörte der sechseckige, rund 20 Meter hohe Turm zur Silhouette von Thun wie das Schloss oder die Stadtkirche

Der 1311 erbaute Turm hatte in seiner Zeit viele Namen und wurde Schwarzer Turm (meistgenannter Name), Schmiedeturm, Badstubenturm, Pulverturm, Folterturm, Keibenturm oder Chutziturm genannt. Zuletzt nannte man ihn noch Läderachturm, weil neben ihm der Schmiedemeister Gottfried Läderach im Erdgeschoss sein Handwerk ausübte.

Ausserdem schöpften die Thunerinnen und Thuner das Wasser für Gewerbe und Haushalte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts meist aus der Aare; Wäscherinnen, Hausfrauen oder Dienstmädchen spülten hier ihre Wäsche. Daher kam wohl auch der Name Badstubenturm oder Wasserturm.

Das ehemalige Schmiedehaus am Aarequai (links neben dem AEK CAFFÈ) steht übrigens heute noch. Über der Eingangstüre befindet sich ein in Sandstein gemeisselte Emblem, welches das Schmiedehandwerk symbolisiert. Wir sehen ein Hufeisen, Hufnagel, Beschlagzange, Schlaghammer, Raspel, Nieter und Aushauer; das sind die Werkzeuge, die ein Hufschmied brauchte oder noch braucht, um ein Pferd zu beschlagen. (Bild rechts oben)

1885 brachte der Besitzer Läderach das Haus mit Turm an eine Steigerung, worauf die Gemeinde Thun die Liegenschaft ersteigerte. 1894/95 wurde der alte Turm als letztes und ältestes Befestigungswerk dieser Art abgebrochen, da sich Teile im alten Bauwerk lösten und zu einer Gefahr für die Fussgänger wurde. Nur mit Mühe konnte er abgerissen werden. Im Herbst 1894 wurde zuerst das Dach und daraufhin 1895 das Mauerwerk des einst ältesten Befestigungswerks dieser Art von Thun entfernt.

Der neue Besitzer baute einen markanten Erker an das Haus an, worin noch immer die ursprünglichen Konturen des Schwarzen Turms erinnern.


Die Katastrophe von 1718

Die gegen das Oberland ausgerichtete mittelterliche Stadtmauer führte von dem 1839 abgebrochenen Lauitorturm zum Schwarzen Turm hinunter. Von hier führte eine gedeckte Fussgänger-Holzbrücke als ursprünglicher Wehrgang über die Aare zum Freienhof hinüber, damals «takt Brugg» genannt. Diese Palisadenbrücke war schon 1656 zum Abbruch empfohlen worden, wurde aber erst 1719 entfernt. Es brauchte erst das tragische Bootsunglück vom 12. Juni 1718. Damals fuhr ein Boot mit 13 jungen Patriziern von einem Fest am See nach Thun zurück. Die jungen Leute konnten ihr Boot wegen der starken Strömung nicht mehr richtig lenken, das Boot zerschellte am Brückenpfeiler und kenterte. 10 Menschen ertranken vor den Augen der Angehörigen, die sie auf der Sinnebrücke erwarteten. Die Menschen damals konnten häufig nicht schwimmen, denn es gab weder Badeanstalten noch Schwimmunterricht. Die Rettungsvorrichtungen waren unzureichend oder gar nicht vorhanden. Eine Gedenktafel rechts neben der Eingangstüre der Stadtkirche Thun erinnert an das Unglück. Allerdings ist die Inschrift ziemlich verwittert und nur noch schwer lesbar.

Quellen: TT 04.01.1995, TT 26.03.1973, OT 05.09.1944, Diverse

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